Wenn man ein Kunstwerk verstehen möchte bedeutet das Arbeit

In diesem Blogeintrag möchte ich mein persönliches Verhältnis zur Kunst und der damit verbundenen ganz eigenen ‚Kunstwelt‘ reflektieren. Vor dem Seminar an der Uni hatte ich noch nie etwas von der documenta gehört. Und selbst wenn – es hätte mich eher nicht interessiert. Meine Reaktion wäre ungefähr so ausgefallen: „Oh wow, eine große Ausstellung für zeitgenössische Kunst? Sagt mir nicht zu.“ Nun war ich im Rahmen meines Studiums bzw. des Seminars ja quasi dazu gezwungen, mich mit Kunst auseinanderzusetzen. Ich gebe zu, alleine das Buch zur documenta14, in welchem die meisten der ausstellenden Künstler*innen porträtiert waren, war mir zu groß, zu künstlerisch, oftmals zu unverständlich. Ich hatte bis dahin noch nie einen richtigen Zugang zur Kunstwelt gefunden, bzw. mich eher mit Musik als Kunstform identifiziert. Ich konnte oftmals nicht verstehen, wieso Künstler*innen für eine bestimmte Thematik, z.B. die Ausbeutung der weltlichen Ressourcen durch die führenden westlichen Nationen, Kunstwerke erschufen, die sich mir auf den ersten (oder zweiten oder dritten) Blick nicht erschlossen und überhaupt, ich sie oftmals nicht verstand. Ich konnte das wirklich nicht verstehen, weil es doch viel verständlichere Formen gibt, auf solche Themen aufmerksam zu machen. Zeitungsartikel, Bücher, Wissenschaft, von mir aus auch Fernsehbeiträge oder Filme. Meine Abwehrhaltung gegenüber Kunst lag vielleicht auch darin, dass mir bis dato nie jemand einen richtigen Zugang dazu verschafft hat. Dies war im Rahmen des Seminars jedoch anders. Gemeinsam als Gruppe und unter verständnisvoller und offener Anleitung meiner Dozentinnen tasteten wir uns an die documenta14 und allgemein an die Kunstwelt heran. Durch die Beschäftigung mit den Künstler*innen und der documenta14 im Vorhinein, bekam ich langsam einen Einblick in die Kunstwelt. Wenn man ein Kunstwerk verstehen möchte bedeutet das Arbeit. Man muss bereit dazu sein, sich mit den Künstler*innen, den vorherigen Werken und den Hintergründen eines Kunstwerkes zu beschäftigen. Zu verstehen, was die documenta ist, was dort ausgestellt wird und auch unter welchen Umständen so eine riesige Kunstausstellung zustande kommt, heißt, viel darüber zu lesen, Pressestimmen zu sammeln, und vor allem, sich aus alldem selbst eine Meinung zu bilden.

Schlussendlich überzeugt haben mich dann die Kunstwerke selbst. Ich habe mich die dreieinhalb Tage wie in einer anderen Welt gefühlt. Manche Kunstwerke haben mich nicht so sehr angetriggert und manche haben mich dafür noch Tage danach beschäftigt. So zum Beispiel das Video von Regina José Galindo im Palais Bellevue, in welchem man sie vor einem Panzer davon laufen sieht. Der Panzer treibt sie regelrecht vor sich her. Ich saß eine Weile vor der Leinwand und konnte richtig die Verzweiflung, die Hetze und schlussendlich auch die Ausweglosigkeit spüren. Die Kunstwerke in der ‚Neue Neue Galerie (Neue Hauptpost)‘ haben mir jedoch am besten gefallen. Vielleicht war es auch die Ausstellungslocation an sich: quasi eine leere, riesige Industriehalle, in welcher früher die LKWs und Sprinter mit Paketen und Briefen beladen wurden. Alles war eher düster, die Wände waren sehr hoch. Für mich persönlich haben die Kunstwerke hier nochmal ganz anders und intensiver gewirkt. Wahrscheinlich lag es auch daran, dass es nicht diesen typischen Museumscharakter hatte, welcher auf mich oftmals einschüchternd wirkt und ich ständig das Gefühl habe, mich falsch und nicht-kunstgemäß zu benehmen und dabei beobachtet werde.

Alles in allem war es eine tolle Erfahrung, wobei ich finde, dass es auch viel ausmacht mit welchen Menschen man so eine Ausstellung besucht. Wir hatten eine tolle Gruppendynamik, jede/r hat mitdiskutiert, wir konnten so sein wie wir sind, jede Frage stellen die uns im Kopf herumschwirrte, auch wenn sie noch so banal klang. Es war okay zu sagen: „Ich verstehe das gerade nicht“. Auch haben wir viel über die Themen der documenta14 diskutiert und damit auch über die Rahmenbedingungen oder so etwas wie documenta14-Merchandise. Nach dieser Erfahrung würde ich mich wieder in ein Kunstabenteuer stürzen – allerdings nur mit den richtigen Menschen! AB

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